Kultur

Zwei Kulturabende im ZIB Baden: Mirna Funk und eine Lesung über Alma Rosé

Veröffentlicht 03.10.2026 · Zuletzt geprüft 03.10.2026 Geprüft an den Veranstaltungsseiten der IKG Wien, der Verlagsseite von dtv, der Website des ZIB und der Visitenkarte der Stadt Baden (03.10.2026)
Titelbild des Beitrags: Kurpark Baden, darüber die Überschrift „Zwei Kulturabende im ZIB“
Symbolbild – das Foto zeigt den Kurpark Baden, nicht das ZIB und keinen der beiden Abende.

Das ZIB in der Grabengasse 14 lädt im Herbst zu zwei Abenden, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Im Oktober liest eine Berliner Autorin aus ihrem neuen Roman, im November erzählen Text und Musik vom Leben einer Wiener Geigerin. Beide Male ist der Eintritt frei, beide Male wird um Anmeldung gebeten.

22. Oktober: Mirna Funk und ihr Roman „Balagan“

Mirna Funk, 1981 in Ostberlin geboren, arbeitet als Autorin und freie Journalistin, unter anderem für FAZ, Süddeutsche Zeitung und Die Zeit; bei Vogue online schrieb sie über jüdisches Leben, seit 2021 erscheint ihre Kolumne in der Cosmopolitan. Ihr Debütroman Winternähe wurde mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. Funk lebt in Berlin und Tel Aviv.

Balagan ist im Jänner 2026 bei dtv erschienen. Der Titel ist das hebräische Wort für Chaos. Erzählt wird von Amira, die im Lagerraum ihres verstorbenen Großvaters in Berlin-Moabit auf die seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubte Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie stößt. Behalten, spenden, verkaufen? Als Zweifel aufkommen, ob die Sammlung auf legalem Weg zum Großvater zurückkam, muss sich Amira rechtfertigen. Der Roman führt damit zu einer Frage, die auch in Österreich die Restitutionsdebatte bestimmt: Wem gehört ein Bild, das einer verfolgten Familie weggenommen wurde?

Die Buchhandlung Stöhrs Lesefutter aus Traiskirchen ist mit einem Büchertisch vor Ort; im Anschluss kann man ein Exemplar kaufen und signieren lassen. Alle Angaben zum Abend stehen auf der Terminseite zum Buchabend mit Mirna Funk.

19. November: Alma Rosés Leben in Text und Musik

Alma Rosé kam 1906 in Wien zur Welt, in eine der bekanntesten Musikerfamilien der Stadt: Ihr Vater Arnold Rosé war langjähriger Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, ihre Mutter Justine war die Schwester Gustav Mahlers. Rosé wurde selbst eine international gefragte Violinistin und tourte mit den „Wiener Walzermädeln“, ihrem eigenen Frauenorchester, durch Europa. Sie brachte ihren Vater nach London und ging in die Niederlande; 1942 floh sie weiter, wurde in Frankreich verhaftet und im Juli 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort leitete sie ab August 1943 das Frauenorchester des Lagers. Überlebende berichten, dass sie den Musikerinnen damit kleine Privilegien und einen Rest Würde sicherte. Alma Rosé starb im April 1944 in Auschwitz; die Todesursache ist bis heute umstritten.

„In mir klingt ein Lied“ nennt sich eine szenisch-musikalische Lesung. Das heißt: Es wird nicht nur vorgelesen. Ein Erzähler führt durch den Abend, eine Sängerin übernimmt in gespielten Passagen die Rolle Alma Rosés, dazu spielt ein Ensemble aus Violine, Cello und Akkordeon. Die Texte stammen laut Veranstalter aus dem Nachlass der Familie Rosé und aus Briefen von Überlebenden, die Musik von Bach, Chopin, Dvořák, Kreisler, Lehár, Richard Strauss und Puccini begleitet die einzelnen Lebensstationen. Auf der Bühne stehen Rainer Appel (Erzähler), Anke Hájková Endres (Gesang), Tomas Hájek (Violine), Matthias Steinkrauß (Cello) und Alma Flammersberger (Akkordeon). Die Einzelheiten stehen auf der Terminseite zur Lesung über Alma Rosé.

Das ZIB als Kulturort in Baden

ZIB steht für Zentrum für Interkulturelle Begegnung – genauer für den Verein „Freunde des Zentrums für interkulturelle Begegnung und Verständigung der Jüdischen Gemeinde Baden bei Wien“. Das Haus steht auf dem Gelände der Synagoge Baden in der Grabengasse und hat einen 190 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal mit Cafeteria und Seminarräumen. Laut Stadt Baden finden hier monatlich Kulturveranstaltungen statt: Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge und Lesungen, dazu lädt Landesrabbiner Schlomo Hofmeister zu „Ask the Rabbi“ und einmal im Jahr gibt es einen Tag der offenen Tür am ganzen Synagogengelände.

Termine, Eintritt und Anmeldung

Beide Abende beginnen um 19:30 Uhr in der Grabengasse 14, 2500 Baden. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist vorgesehen; sie läuft über die Veranstaltungsseiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, die unten bei den Quellen verlinkt sind. Beide Veranstaltungen werden laut Veranstalter von Niederösterreich Kultur und der Kulturabteilung der Stadt Baden unterstützt.

Für einen Besuch gelten die Angaben und Anmeldebedingungen des jeweiligen Termins. Das Büro des ZIB ist nach eigenen Angaben Montag bis Donnerstag von 9 bis 15 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr besetzt, an jüdischen und staatlichen Feiertagen geschlossen; Parteienverkehr nur nach telefonischer Vereinbarung. Was sonst in der Stadt ansteht, steht im Veranstaltungskalender für Baden.

Weiterlesen & entdecken

Quellen (geprüft am 03.10.2026):
  1. IKG Wien: Buchabend mit Mirna Funk
  2. IKG Wien: In mir klingt ein Lied
  3. dtv: Mirna Funk, Balagan
  4. Music and the Holocaust (World ORT): Alma Rosé
  5. ZIB Baden: Kontakt und Bürozeiten
  6. Stadt Baden: ZIB – Zentrum für Interkulturelle Begegnung

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