Bezirk Baden: Handel verliert Jobs, Onlinekauf wächst

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Blick durch die Fußgängerzone in Baden zur Dreifaltigkeitssäule am Hauptplatz, Passanten unter blauem Himmel
Symbolbild · Fußgängerzone in Baden (Symbolfoto). Foto: Txllxt TxllxT, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Aktualisiert am 3.11.: Die Haltung der Wirtschaftskammer Baden zum Einkauf in der Region ergänzt.

AMS-Chef Johannes Kopf hat am 2. November in der ZiB 2 über den Handel gesprochen. Der ORF fasst es so zusammen: Der boomende Onlinehandel bringt den stationären Handel unter Druck, und dort arbeiten viele Frauen. Die Zahlen aus dem Bezirk Baden passen zu diesem Bild. Einen Zusammenhang beweisen sie aber nicht.

Was das AMS Baden für den Handel zählt

Im September waren beim AMS Baden 1.122 Menschen aus dem Handel arbeitslos vorgemerkt, um 12,1 Prozent mehr als ein Jahr davor. Die Zahl der Beschäftigten im Handel ging im Bezirk um 1,0 Prozent auf 10.949 zurück. Die Arbeitslosenquote der Branche liegt bei 9,3 Prozent, im ganzen Land bei 7,9 Prozent. Nach Branchen weist das AMS die Werte immer einen Monat später aus, deshalb sind das die Zahlen vom September.

Insgesamt waren Ende Oktober im Bezirk 5.192 Menschen arbeitslos gemeldet, um 9,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, dazu 856 in Schulungen des AMS. Bei Frauen ist der Anstieg mit 12,2 Prozent auf 2.534 fast doppelt so stark wie bei Männern mit 6,6 Prozent. Die übrigen Oktoberzahlen, etwa zu Langzeitarbeitslosen und Lehrstellen, stehen im Beitrag Bezirk Baden: Mehr Menschen über ein Jahr ohne Job. Wie weit Frauen beim Einkommen zurückliegen, zeigt der Beitrag zum Equal Pay Day im Bezirk Baden.

Für ganz Niederösterreich hat das AMS die Handelszahlen schon für Oktober: 8,4 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr und 20,3 Prozent weniger offene Stellen, die beim AMS gemeldet sind. Wer im Handel einen Job sucht, findet also deutlich weniger Angebote als vor einem Jahr.

Wohin das Geld online geht

Laut der E-Commerce-Studie des Handelsverbands, erstellt mit der KMU Forschung Austria, geben die Menschen in Österreich heuer 12,3 Milliarden Euro online aus, um 3 Prozent mehr als 2025. Das sind rund 13 Prozent der Ausgaben, die für den Einzelhandel in Frage kommen. 47 Prozent davon, 5,8 Milliarden Euro, gehen an Anbieter im Ausland, allein 1,3 Milliarden an chinesische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress. Die Werte sind eine Hochrechnung aus einer Befragung von 2.017 Menschen im April 2026, keine fertige Jahresbilanz.

Was die Zahlen nicht sagen

Ob jemand im Bezirk seinen Job wegen Amazon oder Temu verloren hat, lässt sich aus der Statistik nicht ablesen. Die Branche Handel umfasst beim AMS auch den Großhandel, den Autohandel und die Kfz-Werkstätten. Sie ist also deutlich größer als die Geschäfte in der Badener Innenstadt. Und mehr Arbeitslose hat der Bezirk nicht nur im Handel: In der Produktion sind es um 12,1 Prozent mehr, am Bau um 6,7 Prozent.

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Dass Geschäfte auch ganz verschwinden, zeigt die Deko-Kette DEPOT: Sie schließt ihre Filialen in Österreich bis Ende Jänner, mehr dazu im Beitrag DEPOT verlässt Österreich.

Wo der Einkauf im Ort ansetzt

Was bei einem Betrieb im Bezirk ausgegeben wird, ist Umsatz, aus dem dort Löhne bezahlt werden. Das gilt auch für den Onlineshop eines Geschäfts aus der Region. Darauf setzt auch die Wirtschaftskammer: Sebastian Makoschitz-Weinreich, Obmann der Bezirksstelle Baden, rief schon vor Weihnachten 2025 dazu auf, nicht bei Händlern aus Übersee oder Asien zu bestellen, sondern „regional – auch online“ einzukaufen. Jeder Euro, der in der Region bleibt, kommt laut WKNÖ auch Beschäftigten in Logistik und Service zugute. Einen anderen Weg geht die Dorfladenbox in Bad Vöslau, ein Selbstbedienungsladen, der per App aufgesperrt wird. Betriebe aus dem Bezirk findest du bei uns etwa unter regionale Ware, Mode und Geschenke, gerade jetzt vor Weihnachten.

Ein Rechenbeispiel, ausdrücklich keine Prognose: Wenn 10.000 Haushalte jeden Monat 20 Euro, die sie bisher anderswo ausgeben, bei Betrieben im Bezirk lassen, sind das 2,4 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Wie viele Arbeitsplätze das sichert, lässt sich ohne eigene Untersuchung nicht beziffern.

Die Zahlen auf einen Blick

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Recherchiert anhand der Arbeitsmarktinformation des AMS Baden und des AMS Niederösterreich für Oktober 2026 (Branchenwerte September), der Meldung des AMS Niederösterreich, der E-Commerce-Studie 2026 von Handelsverband und KMU Forschung Austria, einer Meldung der WKNÖ-Bezirksstelle Baden sowie der ZiB 2 vom 2.11.2026. Gelesen und freigegeben am 03.11.2026 von leokobes.

Quellen (geprüft am 03.11.2026):
  1. ORF ON: AMS-Chef Kopf: „Druck durch Onlinehandel“, ZiB 2 vom 2.11.2026
  2. AMS Niederösterreich: Arbeitsmarktinformation nach Bezirken, Oktober 2026 (ZIP, darin AMS Baden)
  3. AMS Niederösterreich: Aktuelles vom niederösterreichischen Arbeitsmarkt – Oktober 2026
  4. AMS Niederösterreich: Arbeitsmarktinformation Niederösterreich Oktober 2026 (PDF)
  5. Handelsverband (APA-OTS): E-Commerce-Studie 2026, 22.6.2026
  6. KMU Forschung Austria: E-Commerce in Austria 2026
  7. WKNÖ Bezirksstelle Baden: Weihnachtsgeschäft – regionale Kaufkraft stärkt lokale Wirtschaft (27.11.2025)
  8. Titelfoto: Txllxt TxllxT, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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