Neuhaus: Führung durch den vergessenen Kurort
Um 1900 warb Neuhaus im Wienerwald als „Perle des Wienerwaldes“ um Sommergäste, mit Grand-Hotel, Rollschuhhalle und Medizinalbädern. Am Sonntag, 25. Oktober 2026, führt das Atelier Bajadere von 10.30 bis 12 Uhr durch das, was vom Kurort geblieben ist.
Neuhaus ist heute ein Ortsteil von Weissenbach an der Triesting mit gut 600 Einwohnern. Es liegt auf 423 Metern in einem Seitental nördlich des Triestingtals, an der Straße nach Alland. Der Name kommt von der Burg über dem Ort, die Urkunden im 13. Jahrhundert „novum castrum“ nennen, also neues Haus.
Ein Graf baut sich einen Kurort
Vor dem Kurort war Neuhaus ein Industrieort: Laut dem „Gedächtnis des Landes“ richteten zwei Venezianer 1694 in der Burg eine Spiegelfabrik ein, die bis 1830 lief. Mit ihrem Umzug endete die Industriezeit. Einen neuen Aufschwung brachte erst Simon Graf Wimpffen, der Ende des 19. Jahrhunderts den Ausbau zum Kurort plante.
In kurzer Zeit entstanden drei Hotels und zwei Villenanlagen, dazu Parkanlagen, ein Musikpavillon, ein Freibad und Medizinalbäder. Dazu kamen eine Rodelbahn vom Peilstein und 1913/14 eine Rollschuhhalle. Das Kurhotel Stefanie stammt von 1895, das Curhotel d'Orange war der Typ Grand-Hotel der Jahrhundertwende. Zu Gast waren laut beiden Quellen der Kaiser, Erzherzöge und Mitglieder des Hofes. Nach Wikipedia wollte Wimpffen damit dem Semmering Konkurrenz machen.
Auch die Villa Bajadere, in der heute das Atelier sitzt, gehörte zur Kuranlage. Sie wurde laut Atelier an zahlende Sommergäste vermietet.
Was nach 1914 blieb
Der Erste Weltkrieg beendete den Fremdenverkehr fast über Nacht. Den Bäderbetrieb stellte das Kurhotel Stefanie laut Wikipedia 1919 ganz ein. Eine Verbindung nach Baden gab es trotzdem noch: 1927 fuhr nach derselben Quelle ein Bus direkt vom Hotel d'Orange zum Badener Hauptplatz.
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Im April 1945 lag Neuhaus tagelang an der Front. 31 Menschen starben, die Burg brannte aus. Die alten Kurhotels dienten später als Unterkunft für Flüchtlinge, bis 1994. Ab 1998 ließ das Unternehmen Starlinger-Huemer, das die Burg schon 1976 gekauft hatte, die Hotelbauten sanieren, 2002 folgte der Erholungspark. Heute wird in den Häusern gewohnt. Wer Thomas Bernhards „Heldenplatz“ kennt, kennt den Ort übrigens schon: Neuhaus ist dort der Ort, an den die Witwe Schuster ziehen soll.
Führung „Sommerfrische Neuhaus“
- Sonntag, 25. Oktober 2026, 10.30 bis 12 Uhr
- Treffpunkt laut Gemeindekalender: Atelier Bajadere, Neue Straße 19, 2565 Neuhaus
- Veranstalter: Atelier Bajadere
- Kontakt: Wolfgang Kober, 0664 481 2849, wolfgang.kober@fvv-weissenbach.at
- Preis: nicht veröffentlicht, beim Veranstalter erfragen
Die Führung am Sonntag
Laut Ankündigung geht es von der Entstehung des Kurorts bis zu seinem Niedergang, unterwegs zu den Gebäuden und Objekten, die aus der Zeit noch stehen. Erzählt wird, wie aus einer Siedlung von Waldarbeitern durch das Geld und die Initiative eines Einzelnen ein Kurort wurde, für den es sogar einen eigenen Reiseführer gab. Alle Angaben zum Termin stehen auf der Terminseite zur Führung.
Wer schon am Samstag kommt, kann im Atelier noch die Ausstellung von Rudolf Scheer und Rudolf Payer sehen.
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Mehr aus unserer Redaktion
Recherchiert anhand des Veranstaltungskalenders der Marktgemeinde Weissenbach, der Ausstellungsseite des Atelier Bajadere, des Eintrags im „Gedächtnis des Landes“ und des Wikipedia-Artikels über Neuhaus, abgerufen am 23.10.2026. Niemand vor Ort befragt. Gelesen und freigegeben am 23.10.2026 von leokobes.
- Marktgemeinde Weissenbach an der Triesting: Führungen Sommerfrische Neuhaus, abgerufen 23.10.2026
- Atelier Bajadere: Ausstellung „Sommerfrische Neuhaus“ (2017), abgerufen 23.10.2026
- Gedächtnis des Landes (Museum Niederösterreich): Neuhaus, abgerufen 23.10.2026
- Wikipedia: Neuhaus (Gemeinde Weissenbach an der Triesting), abgerufen 23.10.2026
- Titelfoto: Allander, Curhotel d’Orange in Neuhaus, Wikimedia Commons, gemeinfrei
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