Pass für hier Geborene? Streit um die Staatsbürgerschaft

Sollen Kinder, die in Österreich geboren werden, automatisch Österreicher sein, wenn ihre Eltern schon länger legal hier leben? Diese Frage wird seit dem Start der Petition „Ein Pass, der passt!“ am 20. Oktober breit diskutiert, diese Woche auch in der ZIB 2. Wichtig vorweg: Es ist eine politische Debatte. Am Gesetz hat sich nichts geändert.
Was die Initiative fordert
Hinter der Petition stehen die Politikwissenschafter Rainer Bauböck und Gerd Valchars sowie die Filmemacherin Olga Kosanović. Unterstützt wird sie unter anderem von Altkanzler Franz Vranitzky (SPÖ) und dem früheren EU-Kommissar Franz Fischler (ÖVP). Laut APA hatten bis Donnerstag rund 21.000 Menschen unterschrieben.
Gefordert wird ein bedingtes Geburtslandprinzip: Ein Kind, das in Österreich zur Welt kommt, soll automatisch Staatsbürger werden, wenn seine Eltern seit mehreren Jahren rechtmäßig im Land leben. Eine genaue Zahl an Jahren nennt der ORF-Bericht über die Forderung nicht. Als Vorbild dient Deutschland. Dort reichte anfangs ein Elternteil mit acht Jahren rechtmäßigem, unbefristetem Aufenthalt, inzwischen sind es fünf.
Laut ORF leben in Österreich 1,9 Millionen Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft, rund 300.000 davon sind hier geboren.
Streit in der ZIB 2
Am Mittwochabend diskutierten Olga Kosanović und ÖVP-Generalsekretär Markus Gstöttner in der ZIB 2. Kosanović ist in Österreich geboren und aufgewachsen, ihre Einbürgerung wurde trotzdem abgelehnt: Ihr fehlten in 15 Jahren 58 Tage Aufenthalt in Österreich. „Mein Sohn ist Österreicher, ich nicht“, sagte sie. Die Gesetze seien „wahnsinnig komplex“.
Gstöttner verteidigte das geltende Abstammungsprinzip als bewährt und hielt auch die Einkommensvoraussetzungen für gerecht. Dass Grenzen im Einzelfall hart sein können, räumte er ein. Eine Änderung der Regeln stellte er nicht in Aussicht. Laut APA lehnen ÖVP und FPÖ eine Lockerung ab.
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IHS-Chef will eine Grundsatzdebatte
Am Donnerstag meldete sich Holger Bonin zu Wort, Direktor des Instituts für Höhere Studien. „Es braucht eine grundsätzliche Debatte, wie Österreich mit seinen Migranten umgeht“, sagte er vor dem Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Initiative nannte er „richtig und wichtig“. Man dürfe es aber „nicht naiv angehen“ und müsse die Vorbehalte in der Bevölkerung ernst nehmen. Der Regierung riet er, sich mit den Erfahrungen in Deutschland zu befassen.
Was heute gilt
Wer in Österreich geboren wird, wird damit nicht automatisch Österreicher. Entscheidend ist, ob ein Elternteil die Staatsbürgerschaft hat. Alle anderen müssen sie beantragen. Für hier Geborene gibt es schon jetzt einen kürzeren Weg: Sie können nach sechs statt nach zehn Jahren Aufenthalt eingebürgert werden, wenn sie die übrigen Voraussetzungen erfüllen, etwa Einkommen, Deutschkenntnisse und Unbescholtenheit.
Wie der Antrag im Bezirk abläuft, was verlangt wird und was er kostet, steht in unserem Ratgeber Staatsbürgerschaft beantragen im Bezirk Baden. Zuständig ist die Bezirkshauptmannschaft Baden, entschieden wird bei der NÖ Landesregierung.
Die Zahlen aus Niederösterreich
Laut Statistik Austria wurden 2025 in Niederösterreich 2.557 Menschen eingebürgert, um 19,5 Prozent mehr als 2024. Österreichweit war jede fünfte eingebürgerte Person in Österreich geboren. Zahlen nur für den Bezirk Baden gibt es in dieser Statistik nicht.
Wer sich vor einem Antrag rechtlich beraten lassen will, findet Termine der kostenlosen Rechtsberatung im Bezirk Baden. Deutschkurse und Lernbegleitung stehen unter Bildung und Nachhilfe im Bezirk Baden.
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