Wiener Neustadt verkauft 1.646 Mieteinheiten um 64,1 Mio.

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Der Dr.-Karl-Renner-Hof in Wiener Neustadt im Winter: langgestreckter Wohnbau mit drei Torbögen und dem Schriftzug Dr. Karl Renner-Hof
Der Dr.-Karl-Renner-Hof bleibt laut Stadt im städtischen Eigentum. Foto: Anton-kurt, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Wiener Neustadt hat den Teilverkauf seiner Gemeindewohnungen abgeschlossen. Mit der Übergabe der letzten Einheiten sind 1.646 Mieteinheiten an neue Eigentümer gegangen, der Erlös beträgt laut Stadt 64,1 Millionen Euro. Bekannt gegeben hat das Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) am Montag, dem 19. Oktober, bei einem Pressegespräch. 610 Einheiten bleiben im Einflussbereich der Stadt.

Was jetzt abgeschlossen wurde

Verkauft wurde in elf Paketen mit 18 bis 379 Einheiten, die Pakete brachten zwischen rund 800.000 Euro und 13,7 Millionen Euro. Käufer sind sieben Bieter, laut APA drei gemeinnützige Wohnbaugesellschaften und vier private Investoren: die EGW Erste gemeinnützige Wohnbaugesellschaft, die Gemeinnützige Bau- und Wohnungsgenossenschaft Wien-Süd, die Gemeinnützige Baubetreuungsgesellschaft Familienwohnbau Niederösterreich, die GLM Preiswert Wohnen GmbH, Mirza Sehic, die Quadradite GmbH und die WertInvest WieNeu Prop GmbH & Co KG. Der Standard berichtet, dass der Gustav-Kraupa-Hof an ein Unternehmen des Investors Michael Tojner ging. Das Verfahren begleiteten der Immobiliendienstleister CBRE und die Kanzlei FSM Rechtsanwälte. CBRE hat nach eigenen Angaben 186 mögliche Interessenten angesprochen.

Angekündigt hatte die Stadt die Neuordnung am 7. Oktober 2025. Damals nannte sie 2.192 Gemeindewohnungen, von denen rund 500 leer standen. In den Berichten zum Abschluss ist von insgesamt 2.256 Mieteinheiten die Rede, der ORF zählt dazu Wohnungen und Geschäftslokale. Die beiden Zahlen beziehen sich also nicht auf dasselbe.

Was die knapp 39.000 Euro bedeuten

Teilt man 64,1 Millionen Euro durch 1.646 Einheiten, ergibt das rechnerisch rund 38.943 Euro je Einheit. Das ist ein Durchschnitt über den ganzen Verkauf, kein Preis für eine einzelne Wohnung und kein Quadratmeterpreis. Mitgezählt sind leerstehende und sanierungsbedürftige Einheiten ebenso wie Geschäftslokale. Größe, Zustand und laufende Mietverträge der einzelnen Häuser sind nicht öffentlich, deshalb lässt sich aus dem Schnitt nicht ablesen, ob der Preis hoch oder niedrig war. Die Stadt verweist darauf, dass der Erlös um 5,5 Millionen Euro über dem Marktwert der Gutachten von 58,6 Millionen Euro liege.

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Was bei der Stadt bleibt

Die 610 verbleibenden Einheiten gehören der IFP Immobilien Freizeit Parken Wiener Neustadt GmbH, einer Tochter der Stadtholding, an die die Gemeindewohnungen 2006 ausgegliedert wurden. Laut Stadt bleiben unter anderem der Dr.-Karl-Renner-Hof, der Pernerstorfer-Hof, der Posthof und die Schelmersiedlung, ebenso Einrichtungen wie das Frauenhaus und das Jugendzentrum Triebwerk. Für diese Häuser arbeite die IFP an einem Sanierungskonzept. Mit dem Geld soll laut NÖN auch ein Kredit von 53 Millionen Euro abgedeckt werden. Ab 2027 erwartet die Stadt Einsparungen von rund 2,5 Millionen Euro im Jahr.

Was Mieterinnen und Mieter wissen müssen

Die Stadt schreibt auf ihrer Projektseite, dass die neuen Eigentümer die bestehenden Mietverträge unverändert übernehmen müssen und dass die Mieter durch das Mietrechtsgesetz geschützt sind. Laut ORF werden sie in einem gemeinsamen Schreiben der IFP und der neuen Eigentümer informiert. Daraus folgt nicht, dass Miete, Betriebskosten oder Hausregeln auf Dauer gleich bleiben. Das richtet sich nach Vertrag und Gesetz, nicht nach dem Verkauf. Fragen beantwortet die Stadt unter 02622 373-868 und gemeindewohnungen@wiener-neustadt.at.

Wie der Verkauf kontrolliert werden soll

Schneeberger kündigte an, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagnachmittag das Kontrollamt mit der Prüfung des gesamten Verfahrens beauftragen werde. Ob der Beschluss gefasst wurde, war bei Redaktionsschluss nicht bestätigt, ein Prüfergebnis gibt es nicht. Kritik kommt von den Grünen: Sie stören sich laut ORF daran, dass ein großer Teil der Wohnungen an private Eigentümer ging, und fordern volle Transparenz und einen Sanierungsplan. IFP-Geschäftsführer Christian Töltl nannte den Schritt „alternativlos“, Schneeberger sprach von einem „positiven Ergebnis“.

Wiener Neustadt ist eine Statutarstadt und gehört nicht zum Bezirk Baden. Mehr zum Thema Wohnen in unserer Region steht unter Bauen & Wohnen, Entscheidungen der Gemeinden unter Gemeindepolitik, Fragen rund um Verträge und Kosten unter Verbraucher.

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Recherchiert anhand der Projektseite und der Aussendung der Stadt Wiener Neustadt (Stand 2025) sowie der Berichte von APA/VOL, Standard und NÖN vom 19.10.2026 und noe.ORF.at vom 22.9.2026. Die aktuellen Berichte gehen auf dieselbe Pressekonferenz zurück. Eine eigene Mitteilung der Stadt zum Abschluss und den Gemeinderatsbeschluss zum Kontrollamt haben wir bis Redaktionsschluss nicht gefunden. Gelesen und freigegeben am 19.10.2026 von leokobes.

Quellen (geprüft am 19.10.2026):
  1. Stadt Wiener Neustadt: Neuordnung Gemeindewohnungen 2025 (Fragen und Antworten, Planungsstand 2025), abgerufen 19.10.2026
  2. Stadt Wiener Neustadt: Neuordnung des sozialen Wohnbaus der Stadt, 7.10.2025
  3. VOL.AT (APA): 64,1 Mio. Euro Erlös aus Teilverkauf von Gemeindewohnungen, 19.10.2026
  4. Der Standard: Wiener Neustadt verkaufte Gemeindewohnungen um knapp 39.000 Euro je Stück, 19.10.2026
  5. NÖN: Stadt bekommt 64,1 Millionen Euro für 1.646 Gemeindewohnungen, 19.10.2026
  6. noe.ORF.at: Gemeindewohnungen – Verkauf abgeschlossen, 22.9.2026
  7. Titelfoto: Dr.-Karl-Renner-Hof in Wiener Neustadt, Anton-kurt, Wikimedia Commons, gemeinfrei

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