Wr. Neustädter Kanal: Zwei Kraftwerke wollen mehr Wasser

Redaktion badenliefert.at
Symbolbild: alte gemauerte Kanalschleuse mit Holztoren, Wasser stürzt über eine Stufe, daneben ein kleines Steinhaus
Symbolbild, erstellt mit KI (gpt-image-2.5-flare), Byte Media GmbH

Zwei kleine Wasserkraftwerke am Wiener Neustädter Kanal sollen mehr Wasser durch ihre Turbinen leiten dürfen – an der Schleuse 34 in Kottingbrunn und an der Schleuse 7 in Traiskirchen. Die Bezirkshauptmannschaft Baden verhandelt darüber am 19. November.

Beantragt hat das die EWNK OG mit Sitz in Loipersbach im Burgenland, und zwar mit Eingabe vom 20. Juli 2026. Das geht aus zwei Kundmachungen der Bezirkshauptmannschaft hervor. Die Firma will an beiden Standorten die sogenannte Ausbauwassermenge erhöhen und zugleich die Bewilligung verlängern lassen. Um wie viel, nennen die Kundmachungen nicht: Die Einzelheiten stehen im Projekt, das bei der Bezirkshauptmannschaft aufliegt.

Was genau beantragt ist

Die Ausbauwassermenge ist die größte Wassermenge, die ein Kraftwerk durch seine Turbinen leiten und damit zur Stromerzeugung nutzen kann. Mehr Ausbauwassermenge heißt also: Das Kraftwerk darf mehr vom Kanalwasser nutzen.

Beide Anlagen gibt es bereits. Bewilligt wurden sie laut Bezirkshauptmannschaft mit Bescheiden vom 21. Dezember 2015. Das Wasserrecht ist jeweils bis 21. Dezember 2045 befristet und an den Wasserberechtigten gebunden. Wie lange die Verlängerung laufen soll, steht in den Kundmachungen ebenfalls nicht. Auch zur Leistung der beiden Anlagen fanden wir keine belegte Angabe.

Die zwei Verfahren (laut Kundmachungen der BH Baden)

Wer bis wann Einwendungen erheben kann

Eine mündliche Verhandlung nach dem Wasserrechtsgesetz ist kein Informationsabend, sondern Teil eines Behördenverfahrens. Persönlich geladen werden nach § 107 des Wasserrechtsgesetzes der Antragsteller, die Eigentümer betroffener Grundstücke und die im Wasserbuch eingetragenen Wasser- und Fischereiberechtigten, in deren Rechte eingegriffen werden soll. Alle anderen erfahren über die Kundmachung davon.

Wichtig ist die Frist. Die Bezirkshauptmannschaft weist darauf hin, dass Beteiligte ihre Parteistellung verlieren, wenn sie nicht spätestens am Tag vor der Verhandlung während der Amtsstunden bei der Behörde oder während der Verhandlung selbst Einwendungen erheben. So steht es auch in § 42 des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes. Schriftliche Einwendungen müssen spätestens am 18. November bis Ende der Amtsstunden eingelangt sein.

Nicht jeder Interessierte kann Einwendungen erheben. Das Wasserrechtsgesetz unterscheidet Parteien – etwa den Antragsteller und jene, deren Rechte berührt werden, darunter Fischereiberechtigte – von bloß Beteiligten. Beteiligte dürfen ihre Interessen darlegen, Einwendungen stehen ihnen laut § 102 aber nicht zu. Die Projektunterlagen liegen laut Kundmachung während der Parteienverkehrszeiten bei der Bezirkshauptmannschaft zur Einsicht auf.

Was am Kanal sonst Strom erzeugt

Der Wiener Neustädter Kanal wurde laut Marktgemeinde Kottingbrunn zwischen 1797 und 1811 gebaut und überwand mit 45 Schleusen rund 100 Meter Höhe. Erhalten sind heute rund 36 Kilometer zwischen Wiener Neustadt und Laxenburg; sie stehen unter der Verwaltung des Landes Niederösterreich. Die Stadtgemeinde Traiskirchen nennt dafür die Abteilung Wasserbau des Landes.

Strom wird am Kanal schon lange erzeugt: Von dreizehn Kleinkraftwerken, die 1935 und 1936 an Schleusen gebaut wurden, sind laut Kottingbrunn noch sieben in Betrieb, mit rund 600.000 Kilowattstunden im Jahr. Die Anlagen der EWNK OG an den Schleusen 7 und 34 sind jünger und gehören nicht zu diesen sieben.

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Recherchiert anhand der beiden Kundmachungen der Bezirkshauptmannschaft Baden, des Wasserrechtsgesetzes und des AVG im RIS sowie der Seiten der Marktgemeinde Kottingbrunn und der Stadtgemeinde Traiskirchen zum Wiener Neustädter Kanal. Abgerufen am 11.10.2026.

Quellen (geprüft am 11.10.2026):
  1. BH Baden: Kundmachung Wasserrecht Schleuse 34, Kottingbrunn, abgerufen 11.10.2026
  2. BH Baden: Kundmachung Wasserrecht Schleuse 7, Traiskirchen, abgerufen 11.10.2026
  3. RIS: Wasserrechtsgesetz 1959, § 107, abgerufen 11.10.2026
  4. RIS: Wasserrechtsgesetz 1959, § 102, abgerufen 11.10.2026
  5. RIS: AVG, § 42, abgerufen 11.10.2026
  6. Marktgemeinde Kottingbrunn: Wiener Neustädter Kanal, abgerufen 11.10.2026
  7. Stadtgemeinde Traiskirchen: Wiener Neustädter Kanal, Abkehrverständigung, abgerufen 11.10.2026
  8. Wikipedia: Ausbauwassermenge, abgerufen 11.10.2026

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