Leobersdorf: Gutachten zum Widmungsplan offengelegt

Die Marktgemeinde Leobersdorf hat allen Fraktionen im Gemeinderat zwei Unterlagen zum umstrittenen Flächenwidmungsplan übergeben: eine Verkehrsuntersuchung und eine 28-seitige Stellungnahme des Landes Niederösterreich. Um genau diese Papiere war im Sommer gestritten worden.
Das teilt die Gemeinde in einer Mitteilung vom 9. Oktober mit. Die Verkehrsuntersuchung stammt vom Büro Snizek+Partner, einem Wiener Büro für Verkehrsplanung, das laut eigener Website Verkehrsgutachten für Gemeinden erstellt. Die zweite Unterlage ist die „aufsichtsbehördliche Stellungnahme“ des Landes. Beides werde nun „sachlich geprüft“, um die Ortsentwicklung „auf eine rechtssichere Basis zu stellen“, schreibt die Gemeinde.
Was in den beiden Papieren steht, sagt die Mitteilung nicht. Auf der Gemeindeseite sind sie nicht abrufbar, und einen Zeitplan für die nächsten Schritte nennt die Gemeinde ebenfalls nicht (Stand 10. Oktober).
Worum es beim Widmungsplan geht
Ein Flächenwidmungsplan legt fest, welche Flächen einer Gemeinde Bauland, Grünland oder Verkehrsfläche sind. Den Entwurf für Leobersdorf hat der Ziviltechniker Josef Hameter ausgearbeitet; er lag laut NÖN bis 1. Juni 2026 im Gemeindeamt zur Einsicht auf. Ein späterer NÖN-Bericht vom Juli nennt dagegen den 6. Juni als Ende der Auflage.
In dieser Zeit gingen nach einem Bericht von MeinBezirk mehr als 300 schriftliche Stellungnahmen ein, rund 250 davon über die Bürgerliste Leobersdorf JETZT. Genannt wurden vor allem der Verkehr rund um die B18 und den Anschluss an die A2, die geplanten Umwidmungen im Gebiet „Leo Ost“, der Hochwasserschutz an der Triesting und die langfristigen Folgen für die Ortsentwicklung.
Warum gerade die Verkehrsgutachten umstritten waren
Der damalige Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft Leobersdorf) nahm die Umwidmungen nach den rund 300 Stellungnahmen von der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung im Juni, berichtete die NÖN Anfang Juli. NEOS und die Bürgerliste Leobersdorf JETZT verlangten daraufhin mit einer Anfrage Einsicht in die Verkehrsgutachten.
Auch im Landtag kam das Thema an: Die Grüne Landtagsabgeordnete Helga Krismer richtete eine Anfrage an Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Die Antwort fasste sie laut MeinBezirk vom 22. Juli so zusammen: Die Verkehrsgutachten seien dem Land nicht übermittelt worden, das sei ein Verfahrensmangel, und die Verordnungen zum Flächenwidmungsplan müssten neu aufgelegt werden. Die Anfragebeantwortung selbst lag uns nicht vor.
Im selben Bericht ging es um die sogenannte Mayer-Wiese: Von den rund 32.000 Quadratmetern sollten 5.500 Quadratmeter Bauland werden. Ramharter begründete das damit, dass das 2024 eröffnete Rückhaltebecken Fahrafeld die Fläche als Retentionsraum überflüssig mache.
Was sich seit dem Sommer geändert hat
Am 1. Oktober wählte der Gemeinderat Harald Sorger zum Bürgermeister. Er kommt von der Bürgerliste Leobersdorf JETZT, also von jener Liste, die den Entwurf im Frühjahr öffentlich kritisiert hatte (mehr dazu: Leobersdorf hat einen neuen Bürgermeister). Die Mitteilung vom 9. Oktober ist die erste der Gemeinde zum Widmungsplan seit diesem Wechsel.
Offen bleibt, ob der Entwurf geändert und noch einmal aufgelegt wird und wann der Gemeinderat darüber abstimmt. Dazu sagt die Gemeinde derzeit nichts.
Der Widmungsplan in Zahlen
- mehr als 300 Stellungnahmen bis zum Ende der Auflage (MeinBezirk)
- 28 Seiten umfasst die Stellungnahme des Landes NÖ (Gemeinde)
- Mayer-Wiese: rund 32.000 m², davon 5.500 m² als Bauland geplant (MeinBezirk)
- 29 Mandate im Gemeinderat, Liste Zukunft Leobersdorf und Liste JETZT je elf
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Recherchiert anhand der Mitteilung der Marktgemeinde vom 9.10.2026 und der Berichte von NÖN und MeinBezirk zum Auflageverfahren. Die Anfragebeantwortung des Landes und die beiden Fachdokumente lagen nicht vor. Stand 10.10.2026.
- Marktgemeinde Leobersdorf: Offenlegung der Fachdokumente zur Auflage des Flächenwidmungsplans, 9.10.2026, abgerufen 10.10.2026
- NÖN: Kritik am Widmungsplan – Debatte um Verkehr und Transparenz, 31.5.2026, abgerufen 10.10.2026
- MeinBezirk: Über 300 Stellungnahmen zum Flächenwidmungsplan, 11.6.2026, abgerufen 10.10.2026
- NÖN: Bürgerliste fordert Transparenz bei Verkehrsgutachten, 4.7.2026, abgerufen 10.10.2026
- MeinBezirk: Mayer-Wiese – Umwidmungspläne sorgen für Diskussion, 22.7.2026, abgerufen 10.10.2026
- Snizek+Partner Verkehrsplanung: Leistungen, abgerufen 10.10.2026