Leobersdorf: Vortrag über NS-Lager in der Landschaft
In Leobersdorf stand ab Herbst 1944 ein Außenlager des KZ Mauthausen, in dem Frauen Munition herstellen mussten. Am 10. November spricht der Historiker Peter Hinterndorfer auf Einladung der Lokalinitiative NS-Zwangsarbeit darüber, wie solche Lager in die vertraute Landschaft eingebettet waren.
Der Abend „Von Lagern und Landschaften“ beginnt am Dienstag, 10. November, um 19 Uhr in der evangelischen Kirche in der Enzesfelder Straße 12 in Leobersdorf. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
Wie sichtbar waren die Lager?
Laut Ankündigung der Marktgemeinde geht es um die räumliche Einbettung von NS-Zwangslagern und um die Frage, wie tief diese Orte des Unrechts in Landschaft und Infrastruktur eingeflochten waren. Der Vortrag wird von szenischen Beiträgen von Ingeborg Heimhilcher Schwab und Markus Heller begleitet, dazu spielt ein Trio mit Peter Natterer, Markus Hagler und Klara Lessig. Die Eröffnungsrede hält Hans Jürgen Romanowski.
Das Frauenlager zwischen Leobersdorf und Hirtenberg
Das Konzentrationslager Mauthausen war bis Herbst 1944 fast ausschließlich ein Lager für Männer. Am 28. September 1944 kam dort ein Transport mit 400 Frauen aus Auschwitz an. Neun von ihnen blieben in Mauthausen, die übrigen wurden in das Außenlager Hirtenberg gebracht, wo sie in der Munitionsfabrik der Wilhelm-Gustloff-Werke Zwangsarbeit leisten mussten. Die meisten waren politisch Verfolgte aus der Sowjetunion, aus Italien und aus Polen. So steht es im ersten Band der Forschungsreihe der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
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Untergebracht waren die Frauen auf dem Gelände des früheren „Weinberglagers“ in Leobersdorf, auf dem früheren SOGIP-Areal nahe Hirtenberg. Das Lager bestand bis April 1945.
Gedenkweg und Gewerbepark
Das Areal ist seit den 1980er-Jahren als Betriebsgebiet gewidmet. Das Bundesdenkmalamt hielt die erhaltenen Reste laut AFP für „nicht ausreichend“ für einen umfassenden Denkmalschutz und entschied, dass gebaut werden darf. Geplant sind ein Gewerbepark mit Kühlhaus und eine Lidl-Filiale; Lidl betont, der Markt entstehe auf einem angrenzenden Grundstück. Der Historiker Bertrand Perz nennt das Gelände „historisch bedeutsam“, Josef Pumberger vom Mauthausen Komitee Österreich reagierte mit „Trauer, Wut, Zorn“.
Der heutige Eigentümer, die TRA LEO GmbH & Co KG, hat das Grundstück 2022 gekauft. Laut Bezirksblatt stellt das Unternehmen 8.000 Quadratmeter für ein Gedenken zur Verfügung und will einen Gedenkweg mitfinanzieren, für den die Lokalinitiative Anfang 2026 ein Konzept vorgelegt hat. Ein erhaltenes Barackenfundament soll zugänglich werden. Wie der Gedenkort betrieben und erhalten wird, ist noch offen.
„Von Lagern und Landschaften“
- Dienstag, 10. November 2026, 19 Uhr
- Evangelische Kirche, Enzesfelder Straße 12, Leobersdorf
- Vortrag Peter Hinterndorfer, mit Szenen und Musik
- Eintritt: freie Spende; Veranstalter: Lokalinitiative NS-Zwangsarbeit Leobersdorf
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Recherchiert anhand der Ankündigung der Marktgemeinde Leobersdorf, der Forschungsreihe der KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie der Berichte des Bezirksblatts und von AFP über das frühere Lagergelände. Gelesen und freigegeben am 27.10.2026 von leokobes.
- Marktgemeinde Leobersdorf: Von Lagern und Landschaften, Veranstaltungskalender, abgerufen 25.10.2026
- KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Hg.): Mauthausen und die nationalsozialistische Expansions- und Verfolgungspolitik, Band 1 (2021), S. 254, Austria-Forum, CC BY 4.0
- MeinBezirk Baden: KZ-Außenlager Leobersdorf – Grundeigentümer unterstützt die Errichtung eines Gedenkorts, 4.10.2026
- Euronews (AFP): Ehemaliges NS-Lager wird Gewerbepark, 28.8.2026
- Titelfoto: Herzi Pinki, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0