Facebook vor Instagram: die Kanäle der Betriebe im Bezirk

Redaktion badenliefert.at
Holztheke in einem kleinen Betrieb: Smartphone mit dunklem Bildschirm, Keramiktasse und geschlossenes Notizbuch mit Stift, dahinter unscharf ein Regal mit Flaschen und Gläsern.
Symbolbild · Erstellt mit KI (gpt-image-2.5-flare), Byte Media GmbH

Wenn du einen Betrieb führst und überlegst, ob du einen Instagram-Kanal brauchst, hilft eine Zahl mehr als jeder Ratschlag: Was machen die anderen hier eigentlich? Eine Auszählung der Betriebseinträge auf badenliefert.at gibt darauf eine ungewöhnlich klare Antwort – und sie fällt anders aus, als es die großen Social-Media-Studien nahelegen.

Im Verzeichnis stehen 1.036 aktive Betriebe aus dem Bezirk und dem Umland. Bei 506 davon ist der Online-Auftritt erfasst, also nachgesehen, welche Kanäle der Betrieb selbst angibt. Von diesen 506 führen 354 eine Facebook-Seite und 235 einen Instagram-Kanal. In Prozent: 70 gegen 46.

Warum nicht einfach „46 Prozent aller Betriebe"?

Weil das falsch wäre. Die 506 sind kein Querschnitt. Es sind die Betriebe, bei denen der Online-Auftritt überhaupt schon einmal erfasst wurde – bei den übrigen 530 steht in dieser Spalte nichts, und „nichts eingetragen" ist nicht dasselbe wie „kein Kanal vorhanden". Rechnet man die 235 gegen alle 1.036, kommen 22,7 Prozent heraus. Diese Zahl ist zu niedrig, und zwar aus einem Grund, der nichts mit den Betrieben zu tun hat.

Die belastbare Aussage lautet deshalb: Unter den Betrieben, deren Kanäle bekannt sind, hat knapp die Hälfte Instagram. Zum Vergleich: 837 der 1.036 Betriebe – gut 80 Prozent – haben eine eigene Website.

Warum liegt Facebook hier vorn?

Das ist der auffälligste Befund, denn in Branchenuntersuchungen ist es meist umgekehrt. Das Marktforschungsinstitut research tools hat zwischen März 2025 und Februar 2026 hundert Nahverkehrsbetriebe ausgewertet: Dort waren 100 Prozent auf Instagram und 98 Prozent auf Facebook. Im Bezirk Baden ist der Abstand umgekehrt und deutlich – 70 zu 46.

Beweisen lässt sich der Grund aus diesen Zahlen nicht - aber ein Teil der Erklärung steckt sichtbar in der Zusammensetzung des Verzeichnisses. Die größte Gruppe sind mit Abstand die Winzer und Heurigen: 246 Betriebe, davon 189 erfasst, davon 85 mit Instagram – 45 Prozent. Ein Heuriger, der seit zwanzig Jahren dieselben Stammgäste hat und seine Aussteckzeiten bekannt gibt, braucht für diesen Zweck keinen Bildkanal. Facebook war früher der naheliegende Weg, Öffnungszeiten zu veröffentlichen; viele dieser Seiten sind einfach geblieben.

Der zweite Teil: Facebook-Seiten verschwinden nicht von selbst. Eine Seite, auf der seit 2019 nichts passiert ist, zählt in dieser Auswertung mit – gezählt wurde, ob ein Kanal angegeben ist, nicht ob dort jemand schreibt. Das gilt für beide Netzwerke gleichermaßen, trifft aber das ältere stärker.

Welche Branchen sind auf Instagram?

Hier gehen die Werte weit auseinander. Gezählt wurden nur Kategorien mit mindestens zehn erfassten Betrieben:

Ein Muster ist erkennbar, auch wenn die Zahlen seine Ursache nicht beweisen: Wo das Produkt gut aussieht und sich oft ändert – Tasse, Teller, Kleidungsstück –, ist der Bildkanal verbreiteter. Bei Süßwaren und Eis bricht das Muster allerdings, und bei Hotels ebenso. Beides sind kleine Gruppen; aus elf Betrieben lässt sich keine Branchenregel machen.

Was die Zahl aus Vösendorf nicht bedeutet

Nach Gemeinden aufgeschlüsselt steht Vösendorf mit 93,8 Prozent weit vorn – 15 von 16 erfassten Betrieben haben Instagram. Das ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine richtige Zahl zu einer falschen Aussage wird.

In Vösendorf liegt die Shopping City Süd. Die dortigen Betriebe sind überwiegend Filialen großer Ketten, und der Instagram-Kanal, der bei ihnen steht, gehört nicht der Filiale, sondern der Marke – ein Konditoreibetrieb in der SCS führt den Kanal des Wiener Stammhauses, ein Restaurant den der österreichweiten Kette. Erfasst sind außerdem nur 16 von 219 Betrieben am Ort. Die 93,8 Prozent sagen also nichts über Vösendorf aus, sondern etwas über Ketten.

Die aussagekräftigeren Gemeindewerte stammen von dort, wo viele Betriebe erfasst sind: Baden 89 von 198 erfassten Betrieben (45 Prozent), Berndorf 23 von 64 (36 Prozent), Bad Vöslau 9 von 21 (43 Prozent), Leobersdorf 8 von 17 (47 Prozent). Der Unterschied zwischen den Gemeinden ist damit kleiner als der zwischen den Branchen.

Ersetzt ein Kanal die eigene Website?

Praktisch niemand im Bezirk sieht das so. Von den 235 Betrieben mit Instagram haben 221 zusätzlich eine eigene Website. Nur 14 – sechs Prozent – verlassen sich allein auf den Kanal.

Das deckt sich mit dem, was die Nahverkehrsstudie über Reichweite sagt: Am besten liefen dort Beiträge über Menschen, nicht über Produkte – die Verabschiedung eines Busfahrers brachte einem Betrieb 61.300 Likes, die Fahrplankommunikation blieb weit dahinter. Ein Kanal ist gut darin, dass jemand etwas sieht, das er nicht gesucht hat. Er ist schlecht darin, eine Frage zu beantworten, die jemand gerade hat: Wann habt ihr offen, was kostet das, wo ist das.

Was heißt das für deinen Betrieb?

Drei Dinge folgen aus den Zahlen, ohne dass man etwas hineinlesen muss.

Erstens: Wenn du in einer Branche mit 45 Prozent arbeitest, bist du ohne Instagram nicht hinten – du bist bei der Mehrheit. Der Druck, „dabei sein zu müssen", kommt nicht aus den Daten deiner Nachbarschaft.

Zweitens: Eine Facebook-Seite, die seit Jahren stillsteht, zählt in jeder Statistik mit und bringt trotzdem nichts. Sieben von zehn erfassten Betrieben hier haben eine. Wenn deine dazugehört, ist die Frage nicht, ob du noch ein Netzwerk dazunimmst, sondern ob das vorhandene noch jemanden erreicht.

Drittens: Die 14 Betriebe ohne eigene Website sind die riskanteste Gruppe. Ihre Öffnungszeiten, ihre Adresse und ihr Angebot stehen ausschließlich auf einer Plattform, deren Regeln sie nicht bestimmen und deren Konto ihnen nicht gehört.

Wo du dazulernen kannst

Die Wirtschaftskammer Niederösterreich hält am 3. Dezember 2026 um 16 Uhr ein kostenloses Online-Webinar zu künstlicher Intelligenz für Social Media. Es steht mit allen Angaben in den Terminen für Unternehmen; dort sammeln sich Seminare und Sprechtage, von denen Betriebe im Bezirk etwas haben.

Und falls dein Betrieb im Verzeichnis noch gar nicht steht oder die Angaben veraltet sind: Ein Basiseintrag ist kostenlos, und ändern kannst du ihn selbst über Eintrag bearbeiten. Was du dort hinterlegst, ist auch die Grundlage für Zahlen wie diese.

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Quellen (geprüft am 12.10.2026):
  1. badenliefert.at: Betriebsverzeichnis Bezirk Baden, ausgezählt am 12.10.2026 (1.036 aktive Betriebe)
  2. research tools: Studie Social Media-Performance ÖPNV 2026, Pressemitteilung vom 28.8.2026
  3. Statistik Austria: IKT-Einsatz in Unternehmen (erhebt soziale Medien nicht), abgerufen 12.10.2026
  4. badenliefert.at: Termine für Unternehmen, WKNÖ-Webinar am 3.12.2026

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