Krebsimpfung macht Hoffnung: 42 Prozent geringeres Risiko

Geprüft von aktualisiert am 24.10.
Eingefärbte Aufnahme einer menschlichen T-Zelle unter dem Rasterelektronenmikroskop: eine blaue, kugelige Zelle mit vielen kurzen, gelblich schimmernden Fortsätzen vor dunklem Hintergrund
Symbolbild · T-Zelle eines gesunden Spenders unter dem Rasterelektronenmikroskop, eingefärbt. Foto: NIAID/NIH, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Aktualisiert am 24.10.: Ergebnisse vom ESMO-Kongress ergänzt: Gesamtüberleben, Vergleichswerte zu den Nebenwirkungen und die Einordnung unabhängiger Fachleute.

Eine personalisierte mRNA-Krebsimpfung gegen schwarzen Hautkrebs hat in einer großen Studie das Risiko für einen Rückfall oder Tod um 42 Prozent gesenkt, verglichen mit einer gängigen Immuntherapie allein. Am 24. Oktober 2026 hat Studienleiterin Georgina Long die Ergebnisse beim Krebskongress ESMO in Madrid vorgestellt, zwei Tage nachdem Moderna und MSD die Eckdaten veröffentlicht hatten. Ob die Behandlung auch das Leben verlängert, ist noch offen. Zugelassen ist sie nicht.

Die Studie heißt INTerpath-001. 1.137 Menschen, deren Melanom vollständig operiert worden war, deren Rückfallrisiko aber hoch ist, wurden per Zufall auf zwei Gruppen verteilt. Alle bekamen rund ein Jahr lang Pembrolizumab (Handelsname Keytruda), ein Immuntherapeutikum, das nach Melanom-Operationen bereits eingesetzt wird. 757 von ihnen erhielten verblindet dazu die mRNA-Therapie intismeran autogene, 380 ein Scheinmedikament. Laut MSD (in den USA Merck & Co.) ist es die erste Phase-3-Studie, in der eine zusätzliche Behandlung nach der Operation besser abschneidet als Keytruda allein. Die Ergebnisse sind zur Veröffentlichung im New England Journal of Medicine angenommen.

Was bedeuten die 42 Prozent?

Gemessen wurde das rückfallfreie Überleben. Als Ereignis zählt jeder Rückfall, vom neuen Herd in der Nähe der Narbe bis zu Metastasen in anderen Organen, und jeder Todesfall, egal aus welchem Grund. Die Hazard Ratio von 0,58 bedeutet: Das Risiko für ein solches Ereignis lag in der Kombinationsgruppe um 42 Prozent niedriger als mit Keytruda allein. Das ist ein relativer Wert.

Greifbarer ist der absolute Unterschied. Nach zwei Jahren waren in der Kombinationsgruppe 82,2 Prozent ohne Rückfall und am Leben, mit Keytruda allein 70,0 Prozent, ein Unterschied von 12,2 Prozentpunkten. Von 100 Behandelten waren also nach zwei Jahren rund 82 statt 70 ohne Rückfall und am Leben. Das Risiko für Fernmetastasen oder Tod sank um 38 Prozent; nach zwei Jahren waren 88,5 gegenüber 80,2 Prozent frei davon.

Die 42 Prozent heißen nicht, dass 42 Prozent weniger Menschen an Krebs gestorben sind. Beim Gesamtüberleben zeigt diese Zwischenauswertung noch keinen gesicherten Unterschied: Die Hazard Ratio liegt bei 0,77, statistisch nicht signifikant, und die Daten sind laut ESMO noch nicht reif. Beim Rückfallrisiko zeigte sich in den ersten sechs Monaten kein Unterschied, der Vorteil kam erst danach. Bei Menschen mit niedrigerem und mit höherem Rückfallrisiko fiel er ähnlich aus. Beobachtet wurde im Median 24,6 Monate lang.

So funktioniert die personalisierte Krebsimpfung

Jede Dosis wird für einen einzigen Menschen hergestellt: Das Erbgut aus der Tumorprobe wird mit gesundem Erbgut derselben Person verglichen, um Veränderungen zu finden, die nur der Tumor trägt. Daraus werden bis zu 34 Neoantigene ausgewählt, also Merkmale, die es nur auf den Krebszellen gibt. Die mRNA enthält ihren Bauplan. Nach der Injektion bildet der Körper die Merkmale selbst und zeigt sie dem Immunsystem, damit T-Zellen lernen, genau diese Krebszellen anzugreifen. Pembrolizumab blockiert dazu PD-1, einen Bremsschalter auf Immunzellen.

In der Studie gab es bis zu neun Dosen der mRNA-Therapie im Abstand von drei Wochen, dazu Keytruda alle sechs Wochen, insgesamt etwa ein Jahr lang. Mit einer Impfung im üblichen Sinn hat das wenig gemein: Die Behandlung schützt Gesunde nicht vor Hautkrebs, sie setzt einen bereits entfernten Tumor voraus.

Für wen die Therapie gedacht ist

Für Menschen, bei denen ein Melanom der Haut im Stadium IIB bis IV vollständig entfernt wurde und das Risiko eines Rückfalls hoch ist. Laut Studienregister durften die Teilnehmenden vorher keine Krebsmedikamente bekommen haben, zwischen Operation und erster Keytruda-Dosis lagen höchstens 13 Wochen. Melanome am Auge oder an den Schleimhäuten waren ausgeschlossen. Über andere Krebsarten sagt die Studie nichts.

Zulassung und Zugang

Intismeran autogene ist ein Prüfpräparat und nicht zugelassen. Die Firmen schreiben, sie seien mit den Behörden im Gespräch; einen eingereichten Zulassungsantrag nennen sie nicht. Ein Härtefallprogramm ist im Studienregister nicht eingetragen, und die Studie nimmt keine neuen Teilnehmenden mehr auf.

Offen ist noch einiges: ob die Behandlung das Leben verlängert, wie lange der Effekt anhält, wie lange die Herstellung einer Dosis dauert und was sie kosten wird. Dazu nennen die Firmen keine Zahlen.

Nebenwirkungen und Grenzen der Studie

Nebenwirkungen, die auf die Behandlung zurückgeführt wurden, hatten fast alle: 95,8 Prozent in der Kombinationsgruppe, 90,0 Prozent mit Keytruda allein. Mit der mRNA-Therapie kamen vor allem Fieber (52,2 gegenüber 8,2 Prozent), Schmerzen an der Einstichstelle (51,0 gegenüber 9,5 Prozent) und Müdigkeit (38,5 gegenüber 29,7 Prozent) dazu, meist leicht und vorübergehend. Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen (Grad 3 bis 5) waren in beiden Gruppen ähnlich häufig, mit 14,2 und 13,4 Prozent. Zählt man alle schweren Ereignisse unabhängig von der Ursache, waren es 23,6 und 20,3 Prozent. Wegen Nebenwirkungen brachen 6,5 gegenüber 5,3 Prozent beide Medikamente ab. Neue Sicherheitssignale gab es laut den Firmen nicht.

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Auftraggeber der Studie ist MSD, Moderna ist Partner; beide entwickeln das Mittel gemeinsam. Die Zahlen stammen aus der Mitteilung der Firmen und dem Vortrag beim ESMO-Kongress. Rückfälle beurteilten die Prüfärztinnen und Prüfärzte selbst. Für die Aussagekraft spricht, dass die Studie groß und verblindet ist und mit einer wirksamen Standardtherapie vergleicht.

Wie Fachleute die Ergebnisse einordnen

James Larkin, wissenschaftlicher Ko-Vorsitzender des Kongresses und an der Studie nicht beteiligt, nennt den Rückgang der Rückfälle klinisch bedeutsam und die Kombination sehr gut verträglich. Zugleich betont er, dass es um die Behandlung einer bestehenden Krebserkrankung geht und nicht darum, Gesunde gegen Krebs zu impfen. Studien bei Lungen-, Blasen- und Nierenkrebs laufen bereits.

Die dänische Onkologin Inge Marie Svane vom Universitätsklinikum Kopenhagen in Herlev hält die Ergebnisse für überzeugend und sieht zugleich Hürden. Jede Dosis muss für einen einzelnen Menschen hergestellt werden, und das kostet Zeit. Bei Melanomen mit Metastasen sei offen, ob die Impfung mit der dort üblichen doppelten Immuntherapie mithalten kann. Studienleiterin Long sagt, mehr Zeit ohne Melanom sei für Betroffene schon für sich ein Gewinn; ob daraus auch ein längeres Leben wird, müsse die weitere Beobachtung zeigen.

Was heißt das für Menschen in Österreich?

Vorerst nichts Unmittelbares. Weder im US-Register ClinicalTrials.gov noch im EU-Register ist ein österreichisches Studienzentrum eingetragen, wohl aber Kliniken in Deutschland, Italien und der Schweiz. Wer an einem Melanom erkrankt ist, bespricht die Nachbehandlung weiter mit dem behandelnden Team, auch die Frage nach passenden Studien. Beratung, auch psychologische, bietet die Österreichische Krebshilfe Niederösterreich.

Hautkrebs früh erkennen

Für die meisten zählt etwas anderes: verdächtige Stellen früh zu bemerken. Ein organisiertes Hautkrebs-Screening gibt es in Österreich laut Gesundheitsportal nicht. Die Krebshilfe empfiehlt, die ganze Haut zweimal im Jahr systematisch anzusehen. Für Muttermale gilt die ABCDE-Regel:

Trifft ein Punkt zu, gehört das Muttermal ärztlich angeschaut, ebenso Stellen, die bluten, nässen oder wie eine Wunde aussehen, aber nicht heilen. Hautärztinnen und Hautärzte untersuchen mit dem Auflichtmikroskop. Vorbeugen lässt sich vor allem mit Sonnenschutz: starke Sonne meiden, die Haut schützen, Kinder besonders, und aufs Solarium verzichten. Wer schon unter 35 ins Solarium gegangen ist, hat laut Gesundheitsportal ein doppelt so hohes Risiko für ein Melanom.

Hautkontrolle im Bezirk Baden

Hautärztinnen und Hautärzte findest du über die Ärzt:innensuche der Ärztekammer Niederösterreich: Fachrichtung „Haut- und Geschlechtskrankheiten“ wählen, nach Bezirk und auf Wunsch nach Krankenkasse filtern. Was Kassenvertrag, Wahlarzt und Selbstzahlung für die Rechnung bedeuten, steht auf der Seite Gesundheit im Bezirk Baden. Die Krebshilfe Niederösterreich hat eine Beratungsstelle in Baden in der ÖGK, Telefon 0664/4643365. Weitere Nachrichten dieser Rubrik findest du unter Baden aktuell.

Für Menschen mit einem operierten Melanom und hohem Rückfallrisiko könnte künftig eine zusätzliche Behandlung dazukommen, sofern die Behörden sie zulassen. Ein Mittel gegen Krebs allgemein ist sie nicht, eine Vorsorge-Impfung für Gesunde auch nicht.

StudieINTerpath-001 (NCT05933577), Phase 3, intismeran autogene (V940, mRNA-4157) plus Keytruda gegen Keytruda allein
Teilnehmende1.137 Menschen mit vollständig operiertem Melanom der Haut, Stadium IIB bis IV: 757 mit mRNA-Therapie, 380 mit Scheinmedikament
HauptergebnisRisiko für Rückfall oder Tod 42 Prozent geringer (Hazard Ratio 0,58); nach zwei Jahren 82,2 gegenüber 70,0 Prozent ohne Rückfall und am Leben
Gesamtüberlebennoch kein gesicherter Unterschied (Hazard Ratio 0,77, nicht signifikant, Daten noch nicht reif)
Statusnicht zugelassen, kein Studienzentrum in Österreich
PräsentationESMO-Kongress Madrid, 24. Oktober 2026, Presidential Symposium (LBA1), vorgetragen von Georgina Long

Dieser Beitrag erklärt eine Studie und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Quellen (geprüft am 23.10.2026):
  1. ESMO: Personalised Cancer Vaccine Plus Immunotherapy Reduces Melanoma Recurrence After Surgery (Presseaussendung zu LBA1), 24.10.2026
  2. ESMO: First positive phase III trial data for an individualised mRNA-based neoantigen therapy (Einordnung Inge Marie Svane), 24.10.2026
  3. Merck/MSD und Moderna: Pressemitteilung zu den Phase-3-Ergebnissen von INTerpath-001, 22.10.2026
  4. ClinicalTrials.gov: Studienregister NCT05933577 (INTerpath-001)
  5. EU-Register für klinische Prüfungen (CTIS): 2023-503652-27-00
  6. AJMC: Merck, Moderna Cancer Vaccine Cuts Melanoma Recurrence Risk by 42%, 22.10.2026
  7. Moderna: Late-Breaking Data at ESMO Congress 2026 (Termin der Präsentation), 21.09.2026
  8. Österreichische Krebshilfe: Hautkrebs-Früherkennung
  9. Gesundheitsportal Österreich: Hautkrebs vorbeugen
  10. Österreichische Krebshilfe Niederösterreich: Beratungsstelle Baden
  11. Ärztekammer für Niederösterreich: Ärzt:innensuche

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