Mindestlohn 2027: Was in Österreich wirklich gilt
Einen Mindestlohn, der für alle gilt, gibt es in Österreich auch 2027 nicht. Was du mindestens verdienen musst, steht in deinem Kollektivvertrag, und davon gibt es laut Sozialministerium über 800. Schlagzeilen wie „2.000 Euro Mindestlohn“ oder „560 Euro mehr netto“ betreffen deshalb immer nur eine bestimmte Branche.
Kollektivvertrag statt gesetzlicher Untergrenze
Laut Sozialministerium sind rund 95 Prozent der Beschäftigten in Österreich durch einen Kollektivvertrag abgesichert. Er legt je Branche mehrere Lohngruppen fest, unterschreiten darf der Betrieb diese Mindestlöhne nicht. Wo kein Kollektivvertrag gilt, greifen Mindestlohntarife oder Satzungen, die ebenfalls die Sozialpartner aushandeln. Das gilt in Baden genauso wie überall sonst in Österreich.
Was für 2027 schon fix ist
Die Lohnrunde läuft noch, einige Abschlüsse stehen aber schon:
| Branche | gilt ab | Erhöhung | Mindestlohn brutto/Monat |
|---|---|---|---|
| Bäckergewerbe | 1. Oktober 2026 | +2,5 %, Lehrlinge +40 € | 2.006,26 € (Verwendungsgruppe 4) |
| Metallindustrie | 1. November 2026 | KV-Löhne +2,1 %, Ist-Löhne +1,9 % | bisher niedrigster 2.568,80 €, rechnerisch jetzt 2.622,74 € |
| Schuhmacher | 1. Jänner 2027 | +2,8 %, Lehrlinge +50 € | 2.008,78 € |
| Orthopädieschuhmacher | 1. Jänner 2027 | +2,9 %, Lehrlinge +50 € | 2.039,98 € |
Die Zahlen für Bäcker und Metaller stammen aus den Abschlussmeldungen der Gewerkschaft PRO-GE. Bei den Metallern wurde die Erhöhung schon 2025 für zwei Jahre vereinbart, seit 1. November gilt die zweite Stufe. Den Schuhmacher-Abschluss hat die PRO-GE laut KOSMO Ende Oktober in der ersten Verhandlungsrunde erreicht. Für Beschäftigte in gewerblichen Bäckereien gilt das Plus also schon seit Oktober.
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Woher die 560 Euro kommen
Die Zahl hat KOSMO für Orthopädieschuhmacher am Mindestlohn ausgerechnet: rund 57,50 Euro mehr brutto im Monat ergeben etwa 39 Euro netto, auf 14 Gehälter gerechnet rund 560 Euro im Jahr. Für Schuhmacher kommt dieselbe Rechnung auf etwa 530 Euro. Eine allgemeine Erhöhung für alle ist das nicht.
Die Rechnung zeigt auch, wie groß der Abstand zwischen brutto und netto ist. Von jeder Erhöhung gehen Sozialversicherung und Lohnsteuer ab, aus 2.000 Euro brutto werden deshalb nie 2.000 Euro auf dem Konto.
Wenn du mehr als den Mindestlohn verdienst
Ob ein Gehalt über dem Kollektivvertrag mitsteigt, hängt vom Abschluss ab. Die Metaller haben eine eigene Ist-Erhöhung von 1,9 Prozent, sie gilt für das tatsächlich bezahlte Entgelt. Steht in einem Abschluss nur eine Erhöhung der Mindestlöhne, muss eine Überzahlung nicht automatisch wachsen. Ein Blick in den eigenen Kollektivvertrag klärt das. Welcher für dich gilt, steht im Dienstzettel, die Volltexte findest du in der Datenbank des ÖGB unter kollektivvertrag.at.
Neben dem Lohn ändert sich 2027 auch bei den Zulagen etwas: Die Schmutzzulage soll ab 2027 steuerfrei sein. Und wie weit die Einkommen von Frauen und Männern im Bezirk auseinanderliegen, zeigt der Beitrag zum Equal Pay Day im Bezirk Baden.
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Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr. Persönliche Beratung nur nach Terminvereinbarung. Für die Prüfung Lohnzettel und Dienstzettel mitnehmen.
Mehr aus unserer Redaktion
Recherchiert anhand der Angaben des Sozialministeriums, der Abschlussmeldungen der Gewerkschaft PRO-GE, des Berichts von KOSMO zum Schuhmacher-Abschluss und der Kontaktseite der AK Niederösterreich.
- Sozialministerium: Mindestlohn in Österreich (Stand 12.8.2025)
- PRO-GE: Bäckergewerbe – 2.000 Euro Mindestlohn erreicht (KV 1.10.2026)
- PRO-GE: Metallindustrie – Erhöhungen ab 1. November 2026
- PRO-GE: Metaller KV-Abschluss 2026
- KOSMO: Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher – KV-Abschluss ab 1.1.2027
- ÖGB: Kollektivverträge im Volltext
- AK Niederösterreich: Bezirksstelle Baden
- Titelfoto: Santeri Viinamäki, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0