Neue Stromtarife 2027: Wer flexibel ist, zahlt weniger

Bisher war die Stromrechnung einfach zu verstehen: Je mehr Kilowattstunden, desto höher die Netzgebühr. Ab 1. Jänner 2027 kommt eine zweite Größe dazu – wie viel Leistung du gleichzeitig ziehst. Wer das steuern kann, zahlt weniger.
Was sich ändert
Die Netzgebühr ist der Teil der Stromrechnung, der für den Transport anfällt – unabhängig davon, bei welchem Anbieter du den Strom kaufst. Sie richtet sich bisher im Wesentlichen nach dem Jahresverbrauch.
Künftig zählt daneben die Spitzenlast: der höchste Wert, den dein Haushalt zu einem Zeitpunkt aus dem Netz zieht. Nach den Angaben der Regulierungsbehörde E-Control soll der Leistungspreis in der ersten Phase 40 Prozent der Netzgebühr ausmachen, später 50 Prozent.
Der Gedanke dahinter: Das Netz muss für den Moment gebaut sein, in dem alle gleichzeitig Strom brauchen. Wenn sich dieser Moment entzerren lässt, braucht es weniger Ausbau. Die E-Control rechnet mit rund 300 Millionen Euro, die sich dadurch jährlich beim Netzausbau sparen lassen.
Was das für ein E-Auto bedeutet
Hier wird es konkret. Eine normale Wallbox lädt mit 11 Kilowatt. Wer die Ladeleistung auf 4 Kilowatt reduziert, zieht entsprechend weniger auf einmal – und bekommt dafür einen Nachlass, der laut E-Control bis zu 75 Prozent betragen kann.
Praktisch heißt das: Das Auto lädt langsamer, aber über Nacht meist trotzdem voll. Wer tagsüber zu Hause lädt und sofort wieder losmuss, hat weniger davon. Dasselbe Prinzip gilt für Wärmepumpen und andere große Verbraucher, die sich zeitlich steuern lassen.
Was mit den bisherigen Tarifen passiert
Rund 500.000 Kundinnen und Kunden in Österreich nutzen derzeit unterbrechbare Tarife – also Verträge, bei denen der Netzbetreiber bestimmte Geräte zeitweise abschalten darf und man dafür weniger zahlt. Das neue System tritt an deren Stelle und macht dasselbe Prinzip für alle zugänglich: Wer Rücksicht auf das Netz nimmt, zahlt weniger.
Was du jetzt tun kannst
Noch nichts entscheiden müssen – die Regeln gelten ab Jänner 2027. Aber zwei Dinge lohnen sich schon jetzt:
- Nachsehen, was du gleichzeitig laufen hast. E-Auto, Wärmepumpe, Boiler und Herd zur selben Stunde ergeben eine hohe Spitze. Wer sie auseinanderzieht, profitiert vom neuen System automatisch.
- Prüfen, ob die Wallbox drosselbar ist. Die meisten lassen sich einstellen; bei älteren Geräten lohnt der Blick in die Anleitung.
Wie hoch die Gebühren im Einzelnen ausfallen, steht noch nicht fest – das hängt vom Netzbetreiber und von der jeweiligen Tarifstufe ab.
Für Betriebe: zwei Webinare dazu
Die E-Control informiert in zwei Online-Terminen über die Systematik der neuen Entgelte: am 14. Oktober von 11.30 bis 12.00 Uhr und in einem zweiten Teil am 22. Oktober. Dazu kommt am 15. Oktober ein Webinar zum Energiemarktausblick für Unternehmen.
Alle drei stehen mit Datum und Uhrzeit bei den Terminen für Unternehmen. Die Anmeldung läuft über die Wirtschaftskammer beziehungsweise die E-Control.
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