Netzentgelte 2027: Guntramsdorfer EEG rechnet nach
Die E-Control hat die Netzentgelte ab 2027 vorgelegt, und die Energiegemeinschaft in Guntramsdorf hat den Entwurf durchgerechnet. Für einen normalen Haushalt wird das Netz eher etwas billiger. Wer Sonnenstrom mit den Nachbarn teilt, verliert dagegen einen Teil seines Vorteils. Stellungnahmen sind bis 20. November möglich.
Was die E-Control vorgelegt hat
Seit 29. Oktober liegt der Entwurf der neuen Tarifverordnung für die Stromnetze in Begutachtung. Darin stehen zwei Tarifsysteme hintereinander: Ab Jänner 2027 gilt ein Übergang, danach kommt ein Leistungspreis für die höchste Viertelstunde im Monat. Wann ein Netzbereich umstellt, entscheidet laut E-Control der Netzbetreiber, spätestens gilt der Leistungspreis ab 1. Juli 2028 für alle. Was dahintersteckt, erklärt unser Beitrag zu den neuen Stromtarifen 2027.
Für Haushalte rechnet die Behörde mit sinkenden Kosten: im Österreichschnitt minus 3,6 Prozent ab Jänner, rund 15 Euro im Jahr, mit dem Leistungspreis minus 5,7 Prozent, rund 24 Euro. In einigen wenigen Netzbereichen, vor allem in Kärnten, steigen die Entgelte.
Die Zahlen für Guntramsdorf
Die EEG Guntramsdorf hat die Beträge für ihren Netzbereich Wien mit echten Verbrauchsdaten ihrer Mitglieder nachgerechnet, netto und auf Basis des Entwurfs. Ein typischer Haushalt mit rund 4.100 Kilowattstunden im Jahr zahlt demnach heute 394 Euro Netzentgelt, im Übergang 363 Euro und mit Leistungspreis 365 Euro. Ein Haushalt mit Wärmepumpe und E-Auto, rund 13.500 Kilowattstunden, liegt heute bei 1.079 Euro, im Übergang bei 985 und mit Leistungspreis bei 1.130 Euro. Wer große Geräte gleichzeitig laufen lässt, zahlt künftig also mehr.
Wer anderswo im Bezirk wohnt, hat womöglich einen anderen Netzbetreiber und damit andere Beträge. Welcher zuständig ist, steht auf der Stromrechnung.
Warum Energiegemeinschaften protestieren
Strom, den Mitglieder einer Energiegemeinschaft untereinander teilen, ist beim Netzentgelt ermäßigt. Laut Entwurf sinkt diese Ermäßigung: innerhalb derselben Trafostation von 57 auf 49 Prozent, innerhalb desselben Umspannwerks von 28 auf 22 Prozent. Im Netzbereich Wien steigt das Entgelt für lokal geteilten Strom im Übergang damit von 3,00 auf 3,37 Cent je Kilowattstunde, obwohl der allgemeine Satz von 6,98 auf 6,61 Cent fällt. Regional geteilter Strom ist zur Mittagszeit laut EEG nur noch rund einen Zehntelcent günstiger als der Sommer-Niedertarif, der für alle von 10 bis 16 Uhr gilt.
„Der Gesetzgeber sagt: Teilt euren Strom. Die Tarifverordnung sagt: Aber bitte nicht zu billig“, sagt Obmann Gerold Babuschik. Dazu kommt ein neuer Anschlussbetrag für Erzeuger von 195 Euro je Kilowatt, frei sind nur Anlagen bis 15 Kilowatt. Für eine 100-Kilowatt-Anlage auf einem Gemeindedach wären das bis zu 19.500 Euro.
Die EEG fordert unter anderem eine höhere Ermäßigung, weil sie künftig nur noch auf den Arbeitspreis wirkt, und einen offengelegten Rechenweg. Ihre Stellungnahme hat sie als Vorlage für alle 14 Netzbereiche aufbereitet, damit andere Gemeinschaften sie übernehmen können. Auch in Leobersdorf entsteht gerade eine Energiegemeinschaft, für sie gelten dieselben Regeln.
Besuch aus Lettland
Wie die Guntramsdorfer Gemeinschaft arbeitet, haben sich am 27. Oktober Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus Lettland angesehen, begleitet von der Energie- und Umweltagentur NÖ. Anlass ist die Auszeichnung der EEG als eines von fünf österreichischen Best-Practice-Beispielen 2026 durch die Arbeitsplattform Energiegemeinschaften beim Klima- und Energiefonds. Bürgermeister Robert Weber empfing die Gäste im Rathaus. In Lettland kommen Energiegemeinschaften laut EEG bisher nur langsam voran.
Gezeigt wurde das Modell mit drei Ebenen: gemeinsame Anlagen in Mehrparteienhäusern, lokale Gemeinschaften an den Trafostationen und regionale am Umspannwerk. Eine selbst entwickelte Software legt jeden Tag neu fest, wie viel Strom lokal und wie viel regional geteilt wird, berechnet aus Verbrauchsdaten und Solarprognosen.
Netzentgelte 2027 auf einen Blick
- Begutachtung des Entwurfs: bis 20. November 2026
- Leistungspreis: je Netzbereich ab 2027, spätestens ab 1. Juli 2028
- Haushalte im Schnitt laut E-Control: minus 3,6 Prozent, mit Leistungspreis minus 5,7 Prozent
- Ermäßigung für Gemeinschaftsstrom: lokal 57 auf 49 Prozent, regional 28 auf 22 Prozent
- EEG Guntramsdorf: 455 Mitglieder, ehrenamtlich, kein Mitgliedsbeitrag
Verträge muss deswegen niemand ändern, die Umstellung macht der Netzbetreiber. Beschlossen werden soll die Verordnung laut EEG im Dezember.
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- Titelfoto: Hendric Stattmann, Wikimedia Commons, CC BY 2.5

