Was Baden für seine Gebäude an Energie braucht

28.335.979 Kilowattstunden – so viel Energie haben die Gebäude, Anlagen und Fahrzeuge der Stadtgemeinde Baden im Jahr 2024 gebraucht. Die Zahl steht im Gemeinde-Energie-Bericht 2024, den die Stadt im Dezember 2025 veröffentlicht hat. Sie sagt viel aus – aber nicht das, was man auf den ersten Blick vermutet.
Was der Bericht erfasst – und was nicht
Das ist der wichtigste Satz vorweg: Dieser Bericht ist nicht die Energiebilanz der Stadt Baden. Er erfasst 102 Objekte mit 328 Zählern – Kindergärten, Schulen, Feuerwehrhäuser, Verwaltungsgebäude, dazu Anlagen wie die Kläranlage, Parkdecks und Bäder, außerdem den Fuhrpark und die eigenen Erzeugungsanlagen. Mit dabei sind auch Objekte der Immobilien Baden GmbH und der Badener Kurbetriebs-GesmbH.
Nicht dabei sind sämtliche Haushalte, Betriebe und Privatgebäude in Baden. Und ausdrücklich nicht dabei sind sogar die gemeindeeigenen Wohnhausanlagen und vermieteten Objekte. Der Bericht schreibt das selbst: Im NÖ Energieeffizienzgesetz sei nicht vorgesehen, dass die Energiebuchhaltung auch Wohnhausanlagen der Gemeinde und vermietete Gebäude berücksichtige.
Wer eine Zahl für die ganze Stadt sucht, muss woanders hinsehen. Der Klimafahrplan Baden nennt dafür 763.000 Megawattstunden im Jahr – eine ganz andere Größenordnung. Die beiden Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen, beruhen auf verschiedenen Methoden, und beim Klimafahrplan nennt der Bericht das Bezugsjahr dieser Angabe nicht. Sie gehören nebeneinander, nicht in eine Rechnung.
Wohin die Energie geht
Von den 28,3 Millionen Kilowattstunden entfallen 65 Prozent auf Gebäude (18.525.565 kWh), 30 Prozent auf die Anlagen (8.363.635 kWh) und 5 Prozent auf die Fuhrparke (1.446.779 kWh).
Trennt man nach Wärme und Strom, ergibt sich für Gebäude und Anlagen zusammen: 14.630.617 kWh Wärme (54 Prozent) und 12.258.583 kWh Strom (46 Prozent). Bei den Gebäuden überwiegt die Wärme mit 68 Prozent deutlich, bei den Anlagen ist es umgekehrt – dort gehen 75 Prozent in den Strom.
Eine Zahl, die man sich merken kann: Die Wärme für die Gebäude stammt zu rund 97 Prozent aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Fernwärme mit Biomasse.
Die größten Verbraucher
| Objekt | Energie 2024 |
|---|---|
| Römertherme | 7.591.408 kWh |
| Kläranlage | 4.502.383 kWh |
| Strandbad | 1.772.986 kWh |
| Wasserwerk Ebenfurth | 1.412.130 kWh |
Die Römertherme allein steht damit für mehr als ein Viertel des gesamten erfassten Verbrauchs. Der Bericht wird dazu ungewöhnlich deutlich: Das Hallenbad habe „verglichen mit anderen Hallenbädern in NÖ einen extrem hohen Energieverbrauch“, der Großteil sei 1999 errichtet worden, energieeffizientes Bauen habe damals nicht im Vordergrund gestanden. Der witterungsbereinigte Wärmeverbrauch stieg 2024 um 27 Prozent – ein Spitzenwert seit Beginn der Aufzeichnungen.
Und der Bericht benennt ein Hindernis, das selten so offen dasteht: Effizienzmaßnahmen würden hohe bauliche Investitionen erfordern, die die Stadtgemeinde aufbringen müsste – die Einsparungen aber kämen „ausschließlich der Betreibergesellschaft“ zugute, weil diese die geringeren Betriebskosten hat. Wer zahlt und wer spart, fällt hier auseinander.
Ein Ziel, das nicht erreicht wurde
Das vom Gemeinderat beschlossene Energieleitbild sah vor, die Wärmeversorgung bis 2025 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern zu decken. Der Energiebeauftragte schreibt dazu einen Satz ohne Weichzeichner: Das Ziel „wurde nicht erreicht“. Bei rund 97 Prozent ist man nah dran – aber eben nicht dort.
Gleichzeitig gibt es messbare Erfolge. Dort, wo 2023 eine zentrale Heizungssteuerung eingebaut wurde – Kindergärten, Schulen, Feuerwehren –, sank der Wärmeverbrauch deutlich. Im Kindergarten Zentrum ging er witterungsbereinigt um 56 Prozent zurück, im Kindergarten Doblhoff um 43 Prozent. Die eigenen Ökostromanlagen erzeugten 2024 erstmals über 3 Millionen Kilowattstunden, ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zwei Zahlen, die einander widersprechen
An dieser Stelle wird es interessant. Auf Seite 12 nennt der Bericht die Veränderung gegenüber 2023 mit minus 2,33 Prozent. Vier Seiten später, im Kapitel des Energiebeauftragten, steht: Die Entwicklung habe sich „negativ entwickelt da der Verbrauch von 2023 auf 2024 um 2,7 % angestiegen ist“.
Beides steht im selben Dokument. Rechnet man die Fünfjahrestabelle des Berichts nach, kommt man auf minus 2,33 Prozent – diese Angabe ist mit der Tabelle konsistent. Worauf sich das Plus von 2,7 Prozent bezieht, sagt der Bericht nicht. Naheliegend wäre, dass dort der Fuhrpark ausgeklammert ist – nachgerechnet ergibt das aber einen dritten Wert. Aufgelöst werden kann der Widerspruch nur von der Abteilung Energie und Klima selbst; bis dahin stehen hier beide Angaben.
Warum man dem Minus beim Treibstoff nicht trauen darf
Der Kraftstoffverbrauch sank laut Bericht um 49,95 Prozent. Das klingt nach einem Durchbruch, ist aber vermutlich keiner. Der Bericht erklärt an anderer Stelle selbst, dass für 2023 „aufgrund der derzeit unvollständigen Datenverfügbarkeit von km-Ständen sowie ENI-Tank-Auswertungen keine vollständige Verbrauchsabrechnung möglich“ war und man deshalb Vorjahreswerte je Dienststelle übernommen habe.
Das ist mehr als eine Fußnote: Der Rückgang beim Fuhrpark ist größer als der Rückgang insgesamt. Am Vorzeichen der Gesamtbilanz hängt also eine Zahl, die der Bericht selbst für unvollständig erklärt.
Ähnliches gilt für die öffentliche Beleuchtung. Deren Stromverbrauch wurde 2024 nur bis einschließlich September erfasst; der Bericht nennt den Wert ausdrücklich „nicht vollständig“ und kündigt die Nachbesserung für den Jahresbericht 2025 an. Dazu kommt, dass die Zahl der erfassten Objekte von 96 auf 102 gestiegen ist – auch das verschiebt jeden Jahresvergleich.
Was der Energiebeauftragte selbst anmerkt
Der offenste Teil des Berichts ist seine Selbstkritik. Drei Punkte stehen dort:
- Die größten Einsparungspotenziale lägen bei Römertherme, Kurzentrum, Neuer Mittelschule, Kläranlage und Strandbad.
- Beim Strandbad seien „noch Verbesserungen bei der Regelung der Anlagen ausständig“.
- Die Verbrauchsdaten stehen erst 6 bis 12 Monate im Nachhinein zur Verfügung. Das verhindere „eine zeitnahe und rechtzeitige Reaktion auf Abweichungen“ – ein unentdecktes Gebrechen fällt damit erst im nächsten Bericht auf.
Der letzte Punkt erklärt nebenbei, warum dieser Beitrag im Oktober 2026 von Zahlen aus 2024 handelt. Das ist kein Versäumnis der Redaktion, sondern die Taktung des Systems.
- Datengrundlage: Gemeinde-Energie-Bericht 2024 der Stadtgemeinde Baden, Abteilung Energie und Klima, veröffentlicht am 10.12.2025
- Gebiet: 102 Objekte der Stadtgemeinde Baden und ihrer Gesellschaften – nicht die Stadt Baden als Ganzes
- Bezugsjahr: 2024, Reihen ab 2020
- Methode: Energiebuchhaltung aus Zählerdaten; CO₂-Werte mit Standardfaktoren gerechnet, Biomasse-Fernwärme dort als CO₂-frei geführt
- Abgerufen: 4. Oktober 2026
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Grundlage ist der Gemeinde-Energie-Bericht 2024 der Stadtgemeinde Baden, nachgelesen im Originaldokument (321 Seiten). Alle Zahlen sind dort belegt; die beiden einander widersprechenden Angaben zur Jahresveränderung stehen hier nebeneinander, weil der Bericht sie nicht auflöst. Energiekosten in Euro nennt der Bericht nicht – deshalb stehen hier keine. Der Text ist maschinell aus den unten genannten Quellen entstanden und von der Redaktion noch nicht nachgelesen.



